DIGITAL III
GENERATIV
Leo Peschta
@formbytime
Bild: The Forest,installation
motors, electronics, sound, 2022
Das dritte Kapitel unserer Schwerpunktreihe widmet sich unter dem Titel GENERATIV der schöpferischen Kraft und der Eigendynamik digitaler Systeme. Hier gelten eigene Regeln: Das Kontinuum der physischen Realität wird in abstrakte Informationen, in diskrete Werte übertragen, das Stoffliche wird zum Text. Es entsteht eine Art Parallelwelt ohne Ambivalenz, ohne fließende Übergänge, ohne verschwimmende Grenzen. In dieser Welt ist es möglich, absolut gültige Gesetze zu etablieren, nach denen klar definierte Prozesse abzulaufen haben. Nach bestimmten Regeln generieren digitale Systeme neue Daten und nehmen diese wiederum als Grundlage für weitere Berechnungen. Auf diese Weise erweitern sie ihre eigenen Möglichkeiten ins potenziell Unendliche. Es scheint mittlerweile, als könne so gut wie alles, jedes Bild, jeder Klang und jeder Text von Maschinen simuliert werden. Mit den digitalen Technologien wurde gewissermaßen die „Schöpfung“ imitiert: Es wurde etwas erzeugt, das wiederum erzeugen kann. Die Ergebnisse dieser Prozesse übersteigen jedoch die Fantasie und Kontrolle ihrer Schöpfer:innen. Vielleicht können wir von Glück reden, dass unsere Maschinen nicht auf Haltbarkeit ausgelegt sind, ganz entsprechend den Vorgaben des marktwirtschaftlichen Systems, das sie hervorgebracht hat.
(Johan Nane Simonsen)