FORM FOLLOWS SCHAF – Neubau Spessarthaus
Nicht das Streben nach mehr Platz, sondern der Traum vom besonderen Wohnen zog die Familie Schneider an diesen Hang. Nur wenige Schritte vom Haus der Großeltern entfernt – und doch eine andere Welt: steil, von Obstbäumen übersät, durchzogen von Trampelpfaden und Terrassen, die über Jahrzehnte von Schafen in den Hang gezeichnet wurden. Diese Spuren wurden zur Inspiration – ein gewachsenes Muster, das zeigt, wie sich Wege und Ebenen in der Steigung anlegen lassen.
Lange galt das Grundstück als „nicht bebaubar“. Mit der Neuziehung der Ortsgrenze entstand ein schmaler Korridor – und aus der Idee wurde eine echte Möglichkeit. Der Baukörper bettet sich in den Hang: unten ein Sockel aus Sichtbeton auf rotem Sandstein, darüber ein Holzbau aus dem eigenen Wald – vertikal verschalt, zur Straße hin zurückhaltend, zum Tal weit geöffnet. Von Beginn an: kompakt, nachhaltig, ressourcenschonend. Weniger Wohnfläche, mehr Haltung.
Das Wohnkonzept ist radikal offen. Nur notwendige Wände, kaum Türen, Blickachsen quer durchs Haus. Möglich wurde das, weil Bauherr und Architekt das Projekt von Grund auf gemeinsam entwickelten – vom ersten Konzept bis zur endgültigen Materialwahl. Bereits in der Bauphase bekam ein Detail eine besondere Rolle: die Treppe. Kaum eingebaut, wurde sie zum Ort für Gespräche, Pausen und stilles Beobachten. Wer sie hinabsteigt, sieht durch das „Kirchenfenster“ auf den 15 Meter tiefer liegenden Bach, den Spessartwald und den Himmel darüber. Und im Dorf munkelte man: „Des wird doch ä Kirch?“
Ort: LK Main-Spessart · Wohnfläche: 110 m² · Grundfläche: 57 m²
Landschaftsarchitektur:
@toponeo
Fotografie:
@benjamin_brueckner
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