ein mensch, nach plato, sei ein zweibeiniges federloses geschöpf. daraufhin bringt diogenes ihm einen gerupften hahn: dies ist dein mensch. humor, gewalt, hände, hervor/bringen, aus/liefern; ich ziehe mich aus, dich, lasse mir hahnenfedern wachsen, dir, rupfe sie mir aus, dir, krächze, kratze, schreie, singe mir, maus, spiel mir das lied vom hier. hier steht: dein mensch. und deiner.
dieses büchlein ist jetzt da und ich habe gemischte gefühle dazu. manchmal wird mir übel vor aufregung. manchmal sind die texte so lange her und entfernt von mir. hab ich mich davongemacht, oder sie? sind uns zeitweise egal geworden. gut so! einige sind in der klinik entstanden, in der psychiatrie. auch hatte ich u.a. durch covid zeitweise die fähigkeit verloren auch nur wenige sätze zu lesen und zu verstehen, ich habe worte verloren und erinnerungen und die worte sind nur sehr langsam und nach und nach zu mir zurückgekommen. manche erinnerungen bleiben verloren und auch eine große, auch sprachliche verunsicherung ist geblieben. risse, das papier zittert mit mir.
verlust und erfahrung von (sexueller) gewalt singen in diesen texten, spielen mir böse streiche. erinnern mich, schrecken mich auf, manchmal trösten sie, legen was drauf. zwingen mich in keine eineindeutige identität, was kann das schon sein. komme [nicht] drin vor, aber manchmal spricht es von mir, über mich, mit mir. durch mich hindurch. möchte eine hand sein, ein mund ein gesicht. das sind die einzelteile, jede*r fügt daraus zusammen was in beziehung stehen mag. oder es zerreißen, risse, wieder: das hat [nichts] mit mir zu tun, es erzählt sich selbst. das ist das schöne auch: das es mich loslässt, gehen. hier steht dein mensch, und hier: steht noch einer und noch einer und noch einer.
ich freu mich
@hochrothheidelberg und von herzen danke an
@zoe.hopf für die illustration und an
@carolincallies für den ankündigunstext 🖤