Ich freue mich über alle Maßen auf das diesjährige Beethovenfest Bonn!
Es ist einer der notwendigsten Menschlichkeiten gewidmet: der Gastfreundschaft. Unter dem Motto »nach Hause / daheim« suchen wir nach dem Gefühl des Ankommens, fragen uns und euch, wie es gelingen kann. Heimat ist längst keine starre Kategorie mehr - sie ist in Bewegung, oft sehnsüchtig gewollt, manchmal brutal erzwungen, immer abhängig davon, dass Menschen die Türen und Herzen öffnen und sich in ihrer Vielfalt neu begegnen wollen.
Musik erzählt wie kaum eine andere Kunstform von diesen Heimatverschmelzungen und Sehnsüchten. Viel mehr noch: sie schafft Orte und Anlässe, an denen das Gastgeben und Gast-sein zelebriert werden kann. Darum soll es beim Beethovenfest in unserer ersten Saison zurück in der Beethovenhalle nach langjähriger Sanierung gehen. Wir freuen uns sehr, in unser Zuhause einzuladen, nachdem wir jahrelang - und natürlich noch immer - in der ganzen Stadt und Region zu Gast waren. Mit einem besonderen Festival Salon (ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Förderprogramms »tuned«) in der Beethovenhalle öffnen wir die Tore zu diesem einzigartigen, Geschichte atmenden Gebäude - mit zahlreichen kostenlosen Angeboten für alle.
In rund 80 Veranstaltungen und zahllosen Vermittlungs- und Outreach-Angebote schaffen wir viele kleine und große musikalische Lagerfeuer-Momente, an denen wir in Gemeinschaften ankommen können. Das alles mit Musik von den besten Ensembles und Musiker:innen der Welt, deren Gastgeber wir sein dürfen. Musik, die von vielfältigsten Heimaten, der Reise und Migration, der Sehnsucht und Begegnung erzählt und uns zu Gast bei Freunden versammelt.
Music is coming home.
beethovenfest.de
Wir danken den vielen Partnern und Unterstützerinnen, die alle dies möglich machen.
In Bonn stellen sich gerade viele kulturpolitische Fragen: marode Theaterliegenschaften (Theater, Schauspielhaus, Werkstätten) sind zu sanieren oder neu zu bauen, für andere Kulturstätten (Beethovenhalle) sind vernünftige Betriebsmodelle zu finden und insgesamt muss gespart werden. Darüber wird natürlich kontrovers gestritten. Für den Moment möchte ich hier nur einen Gedanken teilen:
Es kommt vor allem auf die eine Frage an, die wir Kulturschaffende uns stellen müssen: sehen wir uns am Ende der Vergangenheit oder am Anfang einer Zukunft? Es stimmt natürlich immer beides gleichzeitig - und genau deshalb ist es eine Entscheidung, eine bewusste innere Haltung. Das gilt insbesondere für uns, die wir all unsere Zeit und Leidenschaft den klassischen Künsten widmen, um ihnen Gegenwart und Zukunft zu schenken.
Ich wünsche mir - ich wünsche uns allen - die Gegenwart als Beginn einer zu gestaltenden Zukunft zu begreifen und nicht als Hinüberretten von Vergangenheit. Ich habe jedenfalls keinerlei Lust darauf, in einer Branche zu arbeiten, in der sich eine gefühlt kümmerliche Gegenwart von einer eingebildet großartigen Vergangenheit ernährt, während vorauseilend bereits eine desaströse Zukunft beklagt wird. Was für eine unattraktive Haltung zum Leben und zur Welt!
Jenseits von und über alle Sachpunkte hinaus: lasst uns kämpfen für den Anfang und nicht gegen das Ende. Das ist, scheint mir, der einzige Arbeitsmodus, der zugleich Spaß macht und lebendige kulturelle und künstlerische Zukünfte zwar nicht garantiert, aber wenigstens möglich macht. Denn sicher ist nur, dass die Zukunft anders wird als die Vergangenheit - und für die Qualität dieser Andersartigkeit sind mitunter schon auch wir selbst verantwortlich.
About 2025:
- properly, fully arrived in Bonn (it takes three years to really feel a new place)
- the time of my life as Thomas Mann Fellow at @thomas_mann_house in LA
- had a nervous, yet thrilling breakdown realizing what AI can do
- major kicks and highs during beautiful @beethovenfestbonn 2025 »alles ultra «
- Realizing that - still - music is the best, not for it's own sake, but because it can bring people together for exceptional human encounters. Will Guidara's 'Unreasonable Hospitality' and Priya Parker's 'The Art of Gathering' helped me a lot in understanding this
- the very best: seeing, feeling and following a human growing up ❤️
To 2026:
- another human entering our family ❤️❤️
- if we live the right questions, then we might grow into the right answers. Answers will turn into commodities, but what are the questions? (More than ever with AI really hitting the ground)
- now the change is possible that never can happen in better times. Never waste a good crisis (Churchill)
- don't let yesterday's reality water down today's big ideas. 5% is having the idea. 95% is defending it (Eams)
- hospites sacri sunt
- make Orwell fiction again.
Die @beethovenhalle.bonn ist wiedereröffnet und ich freue mich, wirklich zu meinen, was ich nun schreibe:
Es ist ein warmer, einladender, irgendwie beseelter Ort. Räume, die demütig und wertig zugleich sind und spürbar sich in Bescheidenheit auflehnen gegen den widerlichen Pomp der vorangehenden Nazi-Architektur. Eine resonante Hülle, die freudig Menschen und Inhalte erwartet und sich selbst nicht so ernst oder wichtig nimmt.
Deswegen freue mich über diese Nachkriegshalle: sie symbolisiert vieles von dem was auf uns in der "Hochkultur" (GMD @dirkkaftan_conductor sprach richtigerweise von "Tiefenkultur") auch gelingen muss: weg von der staatstragenden Wichtigkeitsbehauptung hin zur einladenden Offenheit; weg vom Bling-Bling der gebauten Bedeutungssimulation hin zum menschlichen Gesellschaftsmoment; Zugewandtheit statt Kultur-Tempel; Manifestation statt Repräsentation.
Natürlich hätte mit dem Geld etwas Tolles, Neues gebaut werden können. Aber wahrscheinlich wäre dieses fancy Neue ein weiterer Grund gewesen, sich hinter dem kanonisierten Werk und der verbauten Glorie zu verstecken und in einer vergangenen Welt zu verharren, die nicht mehr unsere ist und unsere nicht mehr sein will.
Ich bin vom Temperament her sehr progressiv programmiert - ich liebe das Neue und es muss auch möglich sein, Altes und Hergebrachtes zu Gunsten einer besseren Idee zu beenden. Aber viele neue Kulturbauten der letzten Jahrzehnte haben ironischerweise Haltungen des 19. Jahrhunderts zementiert. Die Beethovenhalle symbolisiert und verkörpert wirklich Aufbruch, Offenheit, Mut und Demut und - im besten Sinne - die Vielfältigkeit, die wir genau jetzt brauchen. Und außerdem geht es nun um das Eigentliche und Schwere, für das Repräsentationsbauten nur billiger Ersatz sind: um den Inhalt.
Wir drüben beim @beethovenfestbonn freuen uns sehr, euch in der Beethovenhalle und ganzen Stadt im September 2026 begrüßen zu dürfen!