Oswald Egger

@oswald.egger

Hombroich
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Ich wetze, wetze fünf, sechs Backenzähne, und meine Zunge spitzt sich. Wie ein mit Risslitzen versäumten Bändern umwickelter Bimsstein brennt. Der Kopf steckt in der Stube und verstopft: den Ofen. Zwei Kuhhörner, an denen Schnee haftet. Ich will Bärenzahnspäne befestigen an der Stirnmähne des Pferdes. Schuhe hingen und stieren am Hals der Kuh. Die von den Schultern der Bullen herabhängenden Bastlatschen. Aus einem vom Blitz zerschmetterten Baum schnitt‘zte ich Späne. Wie Glassplitter herumspritzende Tatzen zahnte das Tier.
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1 month ago
Manche Engel habe ich häufiger, oft als Mitverdichtung offener Felder gedacht, gestrichelt, als Fadenkreuz von Zugrichtungen: Schabkiele ohne Kammloben, oder wie nacktgewetzte Gräten in ungefiederter Gravur, die Trugfläche wirkt abgezogen: eine Selbstexplosion von Fäden, die sich in Chiasmen organisieren, bewegungsrichtig, ausgerollt. Die Rötellinien verlaufen weicher, körniger, wie mit Kreide gezogen, überwiegend nach oben und unten, leicht gewellt, fast fadenhaft – als würden sie sich aus dem Gewölle wickeln und herabschnüren. Stoßlinien, vorwiegend vorgeschoben stotternd und abfedernd, dünn, fast haarartig. Sie kreuzen sich in hellen Scharen, überlagern einander und filzen zwischen sich und Sicht, geflechtsflächig, das Innere verlitzt, dann insichdicht vibrierend, auseinanderdriftend. Engel – ihre Verbilderungen – entfalten sich hier als rhythmisch undulierende Felder. Ihre Schwingen fächern sich in Strichlagen auf, zergliedert in Rötel und Graphit. Die Linien traktieren, sie führen und berühren. Sie stellen nichts dar – sie stellen ihren Zustand her: Fast wie ein Magen verdickter Maserungen – mit sattem, leicht verschmiertem Kern – Ausschnürungen, Verdauungsknoten. Mitschillernde Schichtschwellen zwischen vorübergehender Figur und instabilen, infixen Fäden, die fitzen sich, unterschnitten, ohne hervorzukommen. Wie ausgezogene Eingeweide aus Licht, weich, peristaltisch, nach unten und oben ineinander tropfende Stränge im Genist: Verwicklungen, die nicht pulsen, sondern sich fortballen, verschieben, ausfliehen – flügeln. Die entfiederten Linien obliegen keinem Auftrag: drahtige Figuren in aparten Erstarrungen. Eine Unsumme von Linienschwingen umschließt Scheinaugen zwischen den Dauern, ununterteilt in Zonen, die eigenlose Zellen – ausdauen. Eine Selbstbewegung vom Schwund zur Zerfächerung, vom Linienereignis zur Zitterpartie arealer Ausschwingungen, vom Ungefieder zur gekielten Wiederwiederkehr der Linie im Feld. Sie versinterten, ohne ineinander auszulaufen: Fixierung kreuzt auf – in Mitbewegungen intermittierend. Das Gewölle – ein flügelloses Genist – greift ineinander und setzt sich in sich fort. Untief. Ohne anzudauern. Ausgedehnt als Inzision.
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1 month ago
Ich nehme den Simultaneindruck wahr: das gleichmäßige Entferntsein der Figuren, den regulierenden Moment der Entrückung. Die Einfassung des Flachreliefs spannt sich inneroptisch, ohne zu zerreißen; ebenso bleibt die räumliche Anordnung anschaulich, nicht überschritten. Die Betrachtung gilt zunächst allein der Farbkomposition: ihrer Wirkung im Denken, als Wirkursache innerhalb der Binnenstruktur des Lineaments – der Mitkonturierung, der ungeradlinigen Faltenzüge der Schlieren, der durchgehenden, uneinteiligen Durchzeichnung – als Textur aus Pinselschraffen und Weißhöhungen, im farblosen Hervorbringen der Fasern. Ich denke mir eine Engelstruktur (oder zwei), eingebettet in voneinander abgeschiedene, gegeneinander scharf konturierte amorphe Felder (in Zonen ihrer Konstellation). Das lichtdurchwirkte Grauweiß der Ummantelung; am Ärmel ein goldbesetztes Schwarz mit schmalen Zaddeln; am Kragen weißgesäumtes Schwarz – festere Kontraste, sparsam geschichtet. Innerhalb der Konfiguration wird ein Unterschied der beiden Engelhälften spürbar. Bei der Doppelfigur treten partielle Kontrastfarben (plus Gold) auf, angesetzt an ein aus abgeschatteten Randzonen verbrämt hervortretendes Weiß (Zinkblumen) als Mittelglied. Beim zweiten dagegen keimt Farbe: ein schleierhaftes Auf- und Einweben Ton in Ton - zwischen Elfenlila und Eisrosa. Ein Knospen von Farbrispen, das die nahezu grisailleartige Farblosigkeit der Syzygie anhebt und in einen koloristischen Aspektwechsel übersetzt. Alles Weitere bleibt ohne Bewandtnisse mit Eigengeltung, eigenlos: tonarme Ununterschiedenheit – grünspaniges, schalenfarbenes Grauumberbraun; blakes Halbgrau; verschluckte Partikel von Lila, Karminrot, Mittelblau, ein fasterblasstes Alabone, verloschenes Halbgelb-Jaune mit Aschegrün. Diese winzigen, beinahe ineinander ausgesetzten Buntfarben summen zwischen den Suturen, in Unlinien unaufgehoben mit: als engelgleiche, unbunt selbstverklärte Anklangfarbe der Koloratur. Von hier bestimmt sich die Wirkung des Prinzips. Farbe tritt nicht als Setzung ein, sondern als Keimen im Farbraum – ausgemalt, und Wort für Wort hervorgefunden. Das Unvordenkliche konnte vorangehend auch nicht anders gedacht worden sein.
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4 months ago
Über steilen Firn gerät der Zug an einen Bergfuß, einen schiefen Rachen, der Wege übersteigt und abbricht. Der Luftschlund zieht nach unten, nicht nach oben. Einer lässt sich am Seil in die Kluft ab. Erst als die Sohlen auf vereisten Brocken greifen, kommt Halt zustande. Von oben gesichert, beginnt er kreuz und quer Stufen zu schlagen. Der Verhau kennt kein Vorwärts, nur eine Mauer. Meter um Meter erstrecken sich nicht als Etappe – sie versprossen den Widerstand. Vierhundert Kerben stehen im Eis. Das Seil läuft durch die Stufen wie eine gedachte Linie. Die Hände sind offen, die Kräfte zerstreut. Bis tief in die Nacht wird nachgehackt. Einmal rutscht er aus, fällt rückwärts, wird vom Seil gehalten und steht wieder auf dem Eisblock, von dem er ausgebrochen ist. Der Körper kippt, wie ein Pfeil knickt, ein Vektor in der Zeit. Das Seil nimmt die Drehung auf, zurrt und spult ihn zurück an den Ansatzpunkt. Steigkrallen ändern den Kontakt, nicht die Lage. Weiter. Der Spaltenrand hängt über, bildet eine Krempe. Er wird abgetragen, ausgefeilt, damit Kante und Krampen wieder gratig sind. Oben setzt die Axt an, ein Ankerpunkt, an dem die Last halten kann – und angeln, wie ein Zughebel anhakt. Schneewähen, Grödel, Eissteigeisen. Der Weg existiert nur, solange jemand darin stapft. Der Zug rückt nach, aber die Nacht schiebt sich dazwischen. Das Eis wird dünn, der Pickel splittert, schlägt tot, springt auf Stein. Im Zickzack tastet sich die Richtung, bis sich ein Sattel gibt – kein Zielwiderstand, eher ein Joch. Oben liegen ebene Platten, in einer Senkrechtwand. Platz genug für eine Handvoll. Stricke werden verknotet, als Sicherung, Schnee geräumt. Schlaf in Windritzen, die Rampe fixiert am Eisblock. Am Morgen liegt Nebel über der Wand. Die eingeträumte Wärme fehlt, die Sicht sinkt. Beim Antauen vorsichtiges Trittetreten: getarnt über Abbrüche, über hohl geformte Untiefen, die der Nebel schluckt. Gefühl kehrt zurück – nicht Sicherheit. Die steinerne Rippe wird zur Firnschneide. Sie wird gequert wie ein vergabelter First: kein Raum links, keiner rechts. Dann scheitelt die Schneide den kantigen Grat. Die ganze Landschaft ordnet sich zu Formen. #oskarfiala #suhrkamp
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4 months ago
Engel sind keine Figuren, sondern Zustände. Sie treten nicht auf, sie stellen sich ein: als Schraffuren im Raum, als Bündel von Linien, die sich kreuzen, lösen, erneut aufnehmen. Was sich links verdichtet, öffnet sich rechts; was verschränkt ist, bleibt offen, ohne sich zu entflechten. Ein Engel kippt gegen die Ordnung, gegengerichtet eingeschoben – ein Dichtezustand der Störung, Drehpunkt innerhalb der Formation. Bewegung entsteht nicht aus Fortschritt, sondern aus Richtungswechseln: zugleich konkav und konvex, ein Kreisen, das aus der Mitte nach vorn tritt und sich dort wieder verliert. Die Anordnung folgt keinem Reihungsprinzip. Virgeln bilden Paare, Paare bilden Winkel, Winkel potenzieren sich. Zwei nähern sich, zwei lösen sich, wieder zwei verschränken sich, während andere nach vorn treten, ohne nahbar zu werden. Der Chor rückt vor, ohne näher zu kommen; er zieht sich zurück, ohne zu verschwinden. Es entsteht ein Vollkreis, der sich der Perspektive widersetzt: eine Fläche, die Tiefe simuliert, eine Tunde – Rundung –, die nicht trägt, sondern zurückdrängt, spannt sich, wird nicht gesprengt. Der ungeteilt fallende, weder umschärpte noch gegürtete Weltenmantel – schleierzart versponnen, beinahe skizzenhaft angelegt; kaum eine Stelle ist scharf konturiert. Eine Wiedersehensfläche ohne Transzendenz. Farbe, die fehlt, erscheint als Rispe ohne Knospe, sie perkoliert. Farbe ist kein Ereignis, sondern ein Perkolationszustand. Unterhalb der Schwelle bleibt sie diffus, oberhalb verbindet sie entferntere: Distrikte, Striche. Perspektivisch gestaffelt, zugleich ausgesetzt. Die Striche sind Stiche; locker bis diffus, unbetont flüchtig. Dichtere Schraffen wechseln mit fahrigem Gestricheltem und Verwischtem; die Richtungen zwischen Unter- und Oberzeichnung, zwischen überlagernden transparenten Strichschichten, wechseln und verweben einander unstet, ohne ausgeprägte Prägnanz über Höhen und Tiefen gezogen. Über die gesamte Bild- und Weltfläche entsteht ein vielfach gebrochenes, glanz- und tonarmes Ganzes. Über dem Weltenmantel liegt eine durchsichtige, lichtverbrämte Gaze, quer über das Himmelszelt gezogen, ein schräger Engel- und Strichregen. Zeichnung: Paris 2003
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4 months ago
Der Berg dampft. Schwere Nebel liegen träge in den Kesseln, hängen, lasten. In grauen Fetzen sott es auf, kochend, brodelnd, bis der Höhenwind die Wirbel jäh zerfilzt, auseinanderstückt wie Watte. Ein Atem liegt darin, hart, kalt, beharrlich. Plötzlich öffnet sich ein Loch, lugt auf: Ein ferner, schneefreier Talboden blickt dampfend herauf, wie eine Erinnerung, die von Hang zu Hang springt. Nebel schlagen Brücken über die Tiefe, spannen Bögen aus Schwaden, halten den Moment – und stürzen lautlos ein, sobald der Wind es will. Seit Wochen gärt es so in den Kesseln. Der erste Schnee hat das letzte Leben auf den Höhen zugedeckt. Unter dem Eis sickern gurgelnde Wasser talwärts. Selbst das Nachglasen des Sommers ist erstarrt: Eiszapfen hängen weiß von Kavernen und Giebeln, dünn wie Häute mit Spitzen. Winterstill ist es in den kriegslauten Tälern geworden. Kein Maultier zieht bergauf, kein Trupp, kein Nachschub. Die Wege steigen leer. Der Dienst, der Bäume fällte und Seile spannte, ruht. Drähte ziehen sich weiß verbändert durch die Luft, unbewegt. Keine Gondel schwebt über dem Nebel. Die Turbinen liegen im Eis, die Züge rasten. Nur Wind streicht durch die schwingenden Drähte und lässt sie klingen. Der Krieg liegt still. Kein Schuss gellt noch über die hangende Weite, kein unsichtbares Echo antwortet aus den Tälern der Gräben – Grund und Grat: unter dem weißen Leichentuch schläft der Krieg. Kufen schneiden sich durch den Firn der Hochplateaus, winden sich in engen Kurven und Hängen hinauf ins schloh vorstrotzende Gestein, das steil aus dem Nebel aufragt. Dort oben leben noch Menschen: sie halten aus. Sie steigen Serpentinen verdreckter Fußtrittspuren und verschwinden durch einschneite Öffnungen ins Eis. Die Wochen verkochen in den Wolken. Kaum Licht dringt ein: Ein hellerer Kreis im Grau, matt, falb, fast blind – Sonne. Ohne Halt. Dann umschloss das Grau sie auf der Stelle. Wieder hängt alles niedrig unter einem Himmel, der unerreichbar nah erscheint, verschluckt. Aus dem Tumult steigt weiter Nebel auf. Schicht um Schicht. Er quillt aus den Tiefen, kalt und feucht, legt sich an die Grate. Dort lebt – grau aufgeschlossen – #oskarfialaunddasprinzipderkleinstenwirkung
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4 months ago
Als ich 1994 in den Physikalischen Blättern ein Fourier-Spektrum mit diesem Teilerfremdheitsmuster veröffentlicht sah – ich erinnere mich – schaute ich wie in einen Himmel – als Abgrund: Strahlen, die sich vom Stern-Zentrum ausbreiten, helle Linien der Resonanz, dazwischen dunkle Bänder der Auslöschung, die hinters Licht führen (ich weiß). Was im direkten Blick wie Unordnung wirkt, offenbart sich im Frequenzraum als plejadische (hier nicht p-adische) Konstellation von Perioden. Die Fourier-Analyse macht hier sichtbar, was die Zahlentheorie freilich längst weiß: Die Darstellung der Teilerfremdheit von Zahlenpaaren enthält viele, zunächst nicht sichtbare Periodizitäten (jede dritte Zahl ist durch 3 teilbar, jede fünfte durch 5, etc.). Erst eine Fourier-Transformation zeigt diese Periodizitäten anschaulich. Die hellen Strahlen – Achsen der Übereinkunft, Unlinien, Unfugen – auf denen Weltordnungen zusammentreten, ließen sich mit einem einhelligen Wort vielleicht Syzygien nennen: ein Geflecht aus Resonanzlinien und Dunkelzonen, ganz geleitet von den Primzahlen. Mit anderen Worten, die das Tatsächliche recht gut bezeichnen: Frohe Weihnachten! #weihnachten2025 #noel2025
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4 months ago
Nur noch wenige Exemplare Der Band ist nicht als editorische Pointe gedacht, die alles Hervorbringbare und mir relevant Erscheinende bündelt, sondern als eröffnender Doppelpunkt: Er markiert wohl einen Anfang - als Probe aufs Exempel fur weitere Bände, die folgen mögen, sowohl sporadisch als auch periodisch. (Rückfragen hierzu sind möglich und erwünscht.) Die äußere Form ist bewusst gewählt, eben nach Maßgabe der Möglichkeiten, unter denen dieser Вand jetzt noch entstehen konnte. Ich habe darauf vertraut, dass das insichdichte, intarsienhafte Arrangement der Textkompartimente samt Aquarellen die formale Zurückhaltung trägt. Für mich persönlich ist dieses Buch von besonderer Bedeutung. – Die Raschheit der Fertigung ereilt und „überdauert“ gleichsam die innere Weile, die aber bleibt. Ich freue mich, dieses erste Exemplar einer auf Fortsetzung angelegten Folge - gleichsam in einem Wegzusammenhang mit Unentwegtem – in hundert Händen zu wissen. 100 nummerierte und signierte Exemplare, je Euro 50 + Versand. (Mit dem Erwerb von Fuguen & Mutmaßungen wird die gemeinnützige Gesellschaft Das böhmische Dorf gGmbH in Hombroich unterstützt; der Erlös aus dem Verkauf des Buches fließt dieser vollständig zu.)
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4 months ago
Ich freue mich, eine limitierte, nummerierte und signierte Ausgabe (100 Exemplare) vorzustellen: ein aus Farbe und Text verflochten gestaltetes Materialien- und Ergänzungsbuch zu meinem Suhrkamp-Band Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung. Der Band ist ein durchgestaltetes Künstlerbuch, und bündelt in philosophisch-essayistischer Verfasstheit zentrale Themen meines Tuns der letzten Jahre – topologische Sphären, Ideen zum Reim, Überlegungen zu Individuation und Personalität, zur Poetik des Déjà-vu und zur Psychologie der Fugue, zu den Nichtexistenzgrenzen einer Welt in der Welt; und nicht zuletzt auch den Versuch einer neueren Philologie des Mississippi – bis hin zu Ausblicken auf zukünftige Projekte. Unveröffentlichte Originaldokumente Oskar Fialas, ergänzt durch ihre Transkriptionen, sind als eigene Einheit integriert und eröffnen einen dokumentarischen Resonanzraum zu dem im Herbst erschienenen Band Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung. Das Buch umfasst 120 Seiten und enthält zahlreiche neue Aquarelle. Preis: 50 Euro + Porto (mit Rechnung) Zudem erscheinen 10 Vorzugsexemplare mit einer aquarellierten Grafik (210x300) für 245 Euro. Das hier im Feed vor ca. 2 Wochen zusätzlich okkasionell abgebildete Plakat ist gleichfalls in einer signierten Auflage von 50 Stück für 50 Euro + Porto erhältlich. Versand ab 15.12.2025 (Lieferung vor Weihnachten), das Plakat ab sofort. Bestellungen: [email protected] (Der Erlös unterstützt die Arbeit der gemeinnützigen Gesellschaft Das böhmische Dorf in Hombroich, die sich der Förderung künstlerischer und literarischer Praxis widmet und im kommenden Jahr eine Reihe von entsprechenden Projekten realisieren wird.)
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5 months ago
Die dissoziative Fugue – das unmerkliche Entgleiten aus der einen Person in eine andere – ist nicht bloß eine kognitive Dislokation, sondern ein mentales Wandern – Vorgänge und Bewegungen in Beweggründen, für das ich die Alexandersphäre zum Modell wähle. Identität folgt hierbei keinem abrupten Übersprung, sondern einer stetigen Transkription: Wie Wasser, das durch poröse Schichten sickert, findet sie Wege, Perkolationen, Stollen, die sie treiben oder gehen kann – nicht, weil sie passim zur Quelle werde – bewusstlos, selbstvergessen –, sondern worin sie die geringste Stufenveränderungsfolge, die sie erreichen kann, erörtert, und seigerte im Lot – teleskopartig: abgeteuft und selbstverschachtet – durchs Gebirg. Das Ich – in der Alexandersphäre modelliert – vexiert im wandernden Pfad, als Punktaggregat: Instantan, ohne existierende Instanzhaftigkeit verfestigt, als rekursive Reihe in Folge infixer Minimierungen: Welche Konstellation kann – gestaucht, zerdehnt – gerade noch zusammengesetzt erscheinen, ohne ineinander zu zerfallen? Welche Mengenform könnte es in sich selbst abbilden oder annehmen, ohne sich ganz – Punkt-um ausgedehnt – darin zu verlieren? Die Alexandersphäre ist ohne abgeschlossene Weltform, aber eine Verschränkung aus einander nichtberührend-berührenden Identitätszonen: zwei Sphären, die sich nicht verschneiden, aber doch in ihren Hörnern um- und aufeinander zeigen, sich zu Verstülpungen auswringen. Ihre Geometrie, weder rein sphärisch noch torusförmig, ist Zwitterfuge und Zwischenform: eine Quirlfigur, die Identität nicht bündelt, sprengt und überwirbelt, sondern entlang ihrer Kontakt-Konkatenation – unausgesetzt, wechselständig – um- und umbildet. Zwischen William und Oskar, zwischen Ich und Nicht-Ich, spannt und sprengt sich eine Fläche, deren Krümmung den Übergang demarkiert. Die Verkörperungen bleibten, gleich und gleich, doch deren selbsttätige Identität bewegt sich – entlang eines Weges, der nicht zu Willen, sondern aus Vorstellungen und Vollzug geformt werde. #OskarFialaUndDasPrinzipDerKleinstenWirkung #bücher #lesen #instabook #bookstagram #buchtipps #germanbookstagram #reading #buchliebe #leseliebe #suhrkamp #oskarfiala #fugue #mathart
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5 months ago
Manchmal denke ich, Personalität könnte eine Perkolationsstruktur mit Persistenz-Inseln sein – und mit Sinkholes als zweitem Strukturboden unter doppelter Identität: in Schichtungen, die bleibten: Fugue-Episoden, in denen die kognitive Landschaft unterspült wird, bis ganze Identitätszonen klieben und die Person in ein völlig neues Selbstbild stürzt. Brodelnde Kraterränder, deren perkolativ gluckernde Einschläge einander ausgleichen. Auch ein Feld aus Zustandssummen ist kein homogenes Kontinuum. Es sei ein Areal arealer Zergliederungen aus Halbfestem, Flächen-Durchlässigem, Verspanntem. In diesem Gefügefeld gebe es keine andauernden Überkopplungen, nur Zwischenunzustände – Eigenformationen, die sich binden, lösen, wiederholen. Identitätsdistrikte, die sich aufwölben, versickern, kollabieren, schmelzen und übersinterten: Blasenkrater, verblasste, instabil zermischte Ich-Partitionen. Zerklüftete Kompartimente mit wund variierenden Fusionsvertiefungen und Schmelznähten. Blubberungszonen, craquelierte Emaille-Dolinen: Inselberge, aufgeplatzte, zerspelterte Sinkholes, Erdfälle mit Drift-Abschellerungen. Quasi als Vollzug der Zustandssumme: ein Ungleichgewicht, das sich in sich „istert“, und zwar vorwiegend, formiert. Das Durchsickern und Abwandern des Selbst-Verstehens – Perkolation, Persistenz – ihre Sedimentierungen – sind wechselständigere Verursachungen. Und die Individuation davon schließt sich in Rissen, Verästelungen und Umstülpungen auf, wo zwei Bewegungen aufeinandertreffen: um im und aus dem Wechsel zwischen multivalenten Grenzen unständig zu entstehen. Eine aufbrechende, vielblättrig versinterte, offene Erosion, welche die verborgenen Strukturvariablen, die der inneren Grammatik zugrundeliegen, offenlegt und mit Persistenz-Inseln stabiler Blätterungen durchsetzt. Das Ich gleicht einer Unzustandssummen, die an ihren Zentren ausfranst, sich saumlos überschneidet und zugleich – mehrfach geteilt – zusammenrändert. Das Gleichgewicht vibriert sich aus dieser ununterbundenen Zugehörigkeitsverwirrung. Auszug aus meinem Essay zu „Oskar Fiala“, welches im Dezember in einer Auflage von 99 Exemplaren erscheint. (Auskunft: [email protected])
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6 months ago
Okkasionelle Plakatedition 50 nummerierte und signierte Expemplare à Euro 50 (plus Versand). Reinerlös an gemeinnützige Verwendung: [email protected]
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6 months ago