"DU HAST MAL MIT WILSON GEARBEITET, ODER?"
Manchmal muss man weit reisen, um sich selbst zu finden.
Die Frage oben hat mir meine geschätzte Wiener Kollegin Claudia Kainberger gestellt (mit mir im Bild), als wir uns im entlegensten Zipfel des deutschen Sprachkontinuums, in Kärnten, begegneten - am Stadttheater Klagenfurt - um Antigone, das Ur-Stück des Theaters, zugleich auch das erste feministische Werk der Theatergeschichte, zu spielen - in der Regie meiner ehemaligen Professorin Lore Stefanek - Es sollte ein ungemein bereicherndes Arbeitserlebnis werden...
Und ich spielte - Eine Leiche!
(Die ihres Bruders Polyneikes - verwoben mit dem Text des "Boten", der später von ihrem Sterben berichtet)
Ich lag nur herum. auf einer Drehscheibe, unter einem Gaze-Vorhang gelegentlich hervorgedreht, unter einem Tuch, im Zwielicht, endlos herumliegend, praktisch unsichtbar - nicht, was man sich vorstellt, wen man eine Rolle spielen will, fast eine halbe Stunde lang einfach nur als tot herum zu liegen.
Ich habe, um wenigstens zu vermitteln, dass ich wirklich da bin und nicht eine Puppe, meinen nackten, leichenblass geschminkten, dreck- und blutbeschmierten Arm unter dem Tuch hervorgestreckt - die Regisseurin sagte, "das wirkt wie ein Fehler, das lenkt ab, lass das" - "!!! Ähh !!! ... Die Leiche lebt irgendwie nicht!!!" hätte mich vermutlich mein alter Chef Peymann angefaucht...
Nun bin ich aber die Art Schauspieler, die in solchen Dingen das Gegenteil dessen tut, was man ihm sagt - also entschloss ich mich, den Leichen-Arm erst recht hervorschauen zu lassen.
Ich versteifte ihn, er lag nun nicht mehr schlaff auf dem Boden, sondern schwebte gleichsam, leicht gekrümmt, 10cm über der Bühne, verkrümmte die Finger krampfhaft wie zu einer Kralle, und hielt diese Position, auch wenn ich ins Off gedreht war und es niemand sah, so dass jedes mal, wenn mich die Bühne wieder ins On gedreht hat, der Arm und die Finger in exakt der gleichen Position wieder erschienen...
"Ja, So ist das toll"
sagte Lore. Und
"Du hast mal mit Wilson gearbeitet, oder?" - Die Kollegin
(weiter im KommentarI
9 months ago