„Eine betroffene Frau findet den Mut, über ihre Erfahrungen zu berichten, der Inhalt wird verbreitet, und sehr schnell verschiebt sich der Fokus auf Aufmerksamkeit und öffentliche Reaktionen.
Schnell entsteht eine Dynamik, in der es darum geht, wer etwas sagt und wie etwas gesagt wird. Einzelne Statements werden bewertet, kritisiert und diskutiert. Aber bringt uns das wirklich weiter? Oder verlieren wir uns darin, während wir eigentlich alle dasselbe wollen? Und ja, wir sollten laut sein. Aber vielleicht sollten wir unsere Stimme bewusster einsetzen. Es geht nicht darum, einfach irgendetwas zu posten, um Stellung bezogen zu haben. Es geht darum, wofür wir unsere Aufmerksamkeit nutzen. Für echte Veränderungen, nicht für endlose Diskussionen über einzelne Worte.
Und vielleicht müssen wir uns auch ehrlich fragen: Was haben wir eigentlich aus Fällen wie Pelicot gelernt, die uns kollektiv erschüttert haben? Aus den Momenten, in denen wir gesagt haben „das darf nie wieder passieren“? Hat sich wirklich etwas verändert? Oder sind wir einfach weitergezogen, sobald die Aufmerksamkeit nachgelassen hat? Genau das ist das Problem. Diese Fälle tauchen auf, sie erschüttern uns, sie dominieren für einen kurzen Moment alles.
Und dann verschwinden sie wieder aus dem Diskurs, ohne dass sich strukturell genug verändert.
Und was dabei oft komplett vergessen wird: Die meisten betroffenen Frauen stehen nicht im öffentlichen Leben. Ihre Geschichten gehen nicht viral. Es gibt keine Welle an Solidarität, keine eingeforderten Statements. Und oft bleibt es komplett unbeachtet. Genau deshalb darf Unterstützung nicht von Aufmerksamkeit abhängen, sondern muss verlässlich für alle Frauen da sein.
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, reicht ein Post nicht. Setzt euch ein, bildet euch weiter, unterstützt Hilfsangebote oder engagiert euch selbst.
Am Ende geht es nicht darum, wer etwas richtig gesagt hat, sondern ob sich wirklich etwas ändert. Und dass Frauen sich Sicherheit nicht immer wieder neu erkämpfen müssen, sondern sie selbstverständlich wird.“
Die Worte kommenvon
@sophlin_ und sprechen mir aus der Seele - Tausend Mal besser formuliert als ich es könnte.
📷 Christina Dimerzi