VATERBEFRAGUNG
Imagination und Köper führen
@jonesy.frey in die Kindheit seines Vaters in Surinam, und dort teilweise in ein deutsches Kriegsgefangenenlager.
Gekreuzte Hände zeigen Fesseln, aber auch übergroße tropische Schmetterlinge, die der Vater zu Hunderten in einer Kiste - auch sie ein Gefängnis - sammelt.
Der Köper zeichnet die engen und weiten Räume nach. Wir tauchen in eine Welt, die wir nicht kennen - und der Tänzer-Sohn auch nur aus Familienerzählung, die auch hermetisch ist - vielmehr: er taucht durch eine Wand aus Fäden. Die Vergangenheit, die andere Welt, ist direkt bei uns, den Zuschauenden. Das ist berührend und eine wunderschöne künstlerische Hommage des Sohnes an den Vater.
Was alles auf einzigartige Weise verstärkt, vertieft, ergänzt ist die Live-Soundcollage
@dominik.fuerstberger . Ich kann mich nicht erinnern, so etwas Feines, Flirrendes und minuziös auf die Bewegung Abgestimmtes gehört zu haben. Man erlebt Schatten von Schritten, ferne Geräusche, vieles ist fast unhörbar … anderes verzerrt, verstärkt. Sehr beeindruckend.
Mehr braucht es nicht für einen beglückenden, weil fordernden und ehrlichen Theaterabend.
Danke für die Einladung,
@jonesy.frey @edangorlicki und
@interactions.hd im
@tankturm
Was mich zusätzlich bewegt hat: Jones Frey war als Jugendlicher dabei, als wir -
@jan_linders_berlin @uschyszott @annamatu - das große Stadtprojekt NEUE WUNDERHORN mit 400 Mitwirkenden in
@heidelberg_de auf die Beine gestellt haben.
Dieses öffnete vieler Hinsicht Türen: Es war Bürgertheater, inklusiv und divers, zum ersten Mal waren HipHopper - Breakdancer, Rapper, Sprayer - auf der Bühne des Heidelberger Stadttheaters, aber auch tanzende, sprechende, musizierende Kinder, Senior:innen sowie das Philharmonische Orchester und GMD Cornelius Meister. Ein Jahr hatten wir daran gearbeitet, Texte in der Stadt gesammelt und von jungen zeitgenössischen „ernsten“ Musikern vertonen lassen. Die Breakdancer wurden dabei besonders herausgefordert.
Jones war mit dabei. Auf dem oberen Bild links und dann auf dem Kopf. Wie schön, dass wir uns jetzt wiedergetroffen haben!
Genau solche Projekte von allen für alle wären auch das Herz einer Bewerbung.