Seitdem ich klein bin, trägt meine Mama diese Unterwäsche.
Sie soll Gewicht verbergen, Linien zähmen,
ein leises Versprechen unter dem Kleid.
Doch schon damals sah ich,
wie sie darin den Atem anhielt,
als müsste Schönheit erst durch Enge passen.
Solche Stoffe wohnen nicht nur in Schubladen,
sie wandern durch Generationen,
von Blick zu Blick, von Spiegel zu Spiegel.
Viele tragen sie. Auch ich.
Wenn ich sie anziehe,
zieht sich die Welt ein Stück enger,
der Brustkorb wird ein verschlossenes Fenster,
die Luft klopft an, kommt aber leiser herein.
Und trotzdem streife ich sie wieder über,
als hätte ich es so gelernt:
zusammenhalten, glätten, still sein.
Ich habe gesehen,
wie meine Mutter darin kaum Luft bekam.
Jetzt stehe ich selbst vor dem Spiegel,
halte den Atem an
und erkenne, wie viel Gewicht
nicht am Körper hängt,
sondern an dem, was wir weitertragen.
Kreise
Strecke meine Fühler aus,
nähre mich aus Zärtlichkeit.
in meinem Bauch dreht die Sehnsucht
Pirouetten.
Durchtanzte Schuhe
bluten
hinter dem Vorhang aus Dornen.