Ungefähr 50% aller Menschen in Deutschland werden in ihrem Leben die Diagnose Krebs bekommen. Die andere Hälfte wird zusehen müssen, wie es jemanden trifft, den sie lieben. Es gibt kein Entkommen vor dieser Zahl. Sie betrifft uns alle. Und sie lässt mich nicht los.
Ich bin Krebsforscher. Jeden Tag versuche ich, diese Erkrankung ein Stück besser zu verstehen. Das ist meine Arbeit. Aber seit ich auf Social Media darüber spreche, ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet habe.
Ich bin innerlich zerrissen.
Meine Mission hier ist klar: So viele Menschen erreichen wie möglich. Aufklären. Einordnen. Ehrlich sein. Deshalb setze ich mich hier mit jedem an einen Tisch, der das möchte. Jede Frage ist berechtigt. Jede Sorge ist berechtigt. Aber Diskussion braucht Augenhöhe. Sachlichkeit. Respekt. Denn diese Krankheit lebt schon genug von Emotionalität – Hass, Abwertung und voreingenommene Kritik bringen uns keinen Schritt weiter.
Was ich euch hier zeigen will, ist unbequem: Krebs wird kommen. Für die Hälfte von uns direkt, für die andere indirekt. Die Behandlung ist nicht einfach. Es gibt keine einzelne Lösung. Es ist viel, viel schwieriger, als die meisten denken. Und wir müssen lernen, damit zu leben – im wahrsten Sinne des Wortes.
Gleichzeitig sehe ich jeden Tag, wie Menschen genau diese Angst ausnutzen. Sie verkaufen euch die einfache Antwort. Den einen Tipp. Die eine Heilung. Und ich sehe, wie viele von euch darauf reinfallen – nicht weil ihr dumm seid, sondern weil ihr Angst habt. Und das ist menschlich.
Aber lasst mich eines klarstellen: Krebs ist nicht ein einzelner Knopf, den man drückt. Der menschliche Körper ist das komplexeste System, das wir kennen – und seine Erkrankungen sind es auch. Es gibt keine Abkürzung. Keinen Hack. Keinen Geheimtipp, den die Wissenschaft übersehen hat.
Lies weiter in den Kommentaren 👇🏻
Du fällst auf Krebs-Mythen rein – und merkst es nicht mal. Diese 5 Red Flags helfen dir ab sofort.
1. Wer redet da eigentlich? �Auf Social Media zitieren Leute Studien, die sie nie gelesen haben – und oft fehlt jeder wissenschaftliche Hintergrund. Studien lesen und interpretieren ist ein Handwerk. Wer es nicht gelernt hat, zieht falsche Schlüsse. Aber auch andersrum gilt: Ein Doktortitel allein macht niemanden zum Experten für alles. Entscheidend ist, ob jemand sich wirklich tief mit einem Thema auseinandergesetzt hat – nicht nur, was auf der Visitenkarte steht.
2. Je lauter die Behauptung, desto größer sollte deine Skepsis sein. �Krebsforschung ist langsam, mühsam und selten spektakulär. Fortschritt passiert nicht über Nacht. Beispiel: James Allison hat 2018 den Nobelpreis für die Grundlagen der Immuntherapie bekommen. Seine Forschung dazu begann in den frühen 90ern. Fast 25 Jahre vom Labor bis zur Auszeichnung. Wenn dir jemand einen “Durchbruch” in einem 60-Sekunden-Video verkauft – sei skeptisch.
3. Keine Quelle?
Nicht vertrauen. Wenn jemand über Studien spricht, aber nie eine verlinkt – frag dich warum. Wissenschaft lebt davon, überprüfbar zu sein. Jede seriöse Aussage lässt sich auf eine Publikation zurückführen. Wer keine Quelle nennt, will nicht, dass du nachprüfst.
4. Ein Satz aus einer Studie ist nicht die Studie.
Man kann aus fast jeder Studie einen einzelnen Satz ziehen, der spektakulär klingt. Die restlichen 20 Seiten relativieren ihn meistens komplett. Echte Forschung ist fast nie einseitig – Zurückhaltung und Einordnung gehören dazu. Wer dir nur den einen Satz zeigt, erzählt dir nicht die ganze Geschichte.
5. Passt der Post zu gut in ein Narrativ?
“Big Pharma unterdrückt die Heilung.” “Chemo ist Gift.” “Krebs ist eigentlich heilbar.” Das sind keine wissenschaftlichen Aussagen – das sind Storylines. Und sie funktionieren so gut, weil sie einfache Antworten auf komplexe Fragen geben. Wenn ein Post perfekt in eins dieser Narrative passt, ist das kein Beweis dafür, dass er stimmt. Es ist ein Warnsignal.
Krebs ist komplex. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir keine Wissenschaft – sondern eine Geschichte.
Episode 53 - Die beste Prävention ist aufhören
Kommentiere „Episode“ um den Link zur Episode zu bekommen 🤝
@eric.demuth@christianwolf@life.bymoritz #beyondbcast
“Schulmedizin.”
Ich höre das Wort jeden Tag in meinen Kommentaren. Dabei bin ich nicht mal Mediziner.
Und jedes Mal zeigt es mir, dass die Person nicht verstanden hat, wie Wissenschaft funktioniert. Ein Medizinstudium oder ein naturwissenschaftliches Studium ist nicht das Ende der Ausbildung. Es ist die Grundlage. Der Anfang. Nicht mehr. Danach wirst du mehr oder weniger ins kalte Wasser geschmissen.
Du fängst an zu forschen. Du liest Studien – nicht Überschriften, sondern Methoden, Ergebnisse, Limitationen. Du führst eigene Experimente durch. Du lernst, was Reproduzierbarkeit bedeutet. Du setzt dich mit Dingen auseinander, die in keinem Lehrbuch stehen, weil sie so neu sind, dass es noch kein Lehrbuch dafür gibt. Für eine einzige Doktorarbeit in den Naturwissenschaften liest und verarbeitet man weit über 100 Studien. Und selbst dann versteht man bei weitem nicht alle. Für eine einzige Fragestellung. Das ist die Realität von Forschung – und genau das sieht niemand auf Social Media.
Wenn jemand “Schulmedizin” sagt, suggeriert das, wir hätten irgendwann aufgehört zu lernen. Als wären wir stehengeblieben bei dem, was uns im Studium beigebracht wurde.
Das Gegenteil ist der Fall.
Dieser Begriff ist nicht nur falsch – er ist respektlos gegenüber jedem, der sein Leben damit verbringt, Wissen weiterzutreiben. Der nachts im Labor steht. Der Daten auswertet. Der scheitert und es nochmal versucht.
Es gibt keine “Schulmedizin”. Es gibt nur evidenzbasierte Forschung – und Menschen, die nie aufgehört haben zu lernen. Lasst uns das bitte nicht weiter pauschalisieren.
👉 Kommentiere „Folge“ und wir schicken dir den Link zur gesamten Podcast Episode
Jeden Tag tauchen neue Social-Media-Mythen auf: angeblich krebserregende Alltagsprodukte, „toxische“ Gewohnheiten oder vermeintlich gefährliche Routinen. Doch wie viel davon ist wirklich wissenschaftlich belegt?
Mike und Moritz ordnen die ganze Thematik sachlich ein: Ja, Lebensstil, Ernährung, Schlaf und Umweltfaktoren spielen eine Rolle für die Gesundheit – aber viele virale Reels arbeiten mit Angst, Halbwissen und völlig übertriebenen Aussagen.
Nicht jede Kleinigkeit macht direkt krank. Wichtig ist es, kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und Gesundheit nicht unnötig zu verkomplizieren.
Social Media hat heute einen Punkt erreicht, der mir ehrlich gesagt Sorgen macht.
Ein Podcast mit großer Reichweite lädt einen pensionierten Tierarzt als „Pfizer-Insider“ ein — und lässt Aussagen über „Turbokrebs“ praktisch unkommentiert stehen.
Keine kritischen Nachfragen. Keine Einordnung. Keine Verantwortung. Und genau das ist das Problem. Denn Reichweite bringt Verantwortung mit sich.
Wenn hunderttausende Menschen zuhören, reicht es nicht, einfach nur kontroverse Aussagen in den Raum zu stellen. Gerade bei Themen wie Krebs, Impfungen und Gesundheit.
Denn die Menschen, die solche Clips sehen, sind nicht irgendeine abstrakte Masse: Das sind Menschen mit Angst. Menschen mit kranken Angehörigen. Menschen, die Orientierung suchen.
Und ihnen dann Begriffe wie „Turbokrebs“ zu präsentieren — ein Begriff, der in der Onkologie nicht einmal existiert — ist keine Aufklärung.
Es ist Emotionalisierung durch Angst.
Das Problem ist nicht Skepsis. Wissenschaft lebt von Skepsis.
Das Problem ist:
• Einzelfälle statt Daten
• Schlagzeilen statt Evidenz
• alte Autorität statt aktueller Expertise
• Reichweite ohne Verantwortung
Die Behauptungen sind nicht nur biologisch nicht plausibel, sondern weitestgehend ausgedacht.
Wenn Milliarden Impfungen Krebs massiv beschleunigen würden, müssten wir das sehen. Weltweit. In den Krebsregistern. In den Altersverteilungen. In den Verläufen.
Dieses Signal existiert nicht.
Und genau deshalb ist es wichtig, solchen Inhalten zu widersprechen.
Nicht aus Arroganz. Sondern weil Wissenschaft überprüfbar sein muss — besonders dann, wenn Menschen euch vertrauen.
Video: @ben_ungeskriptet
Quellen:
Enquete-Kommission Corona - /dokumente/textarchiv/2026/kw12-pa-enquete-corona-1151444
Cancer statistics for England - /research-briefings/sn06887/ Pardi et al., 2018 - https://10.1038/nrd.2017.243
Lorentzen et al., 2022 - https://10.1016/S1470-2045(22)00372-2
Cheng et al., 2023 - /10.3390/v15030668
Sano, 2025 - /10.1016/j.jdermsci.2025.09.007
Grippin et al., 2025 - /10.1038/s41586-025-09655-
👉 Kommentiere „Folge“ und wir schicken dir den Link zur gesamten Podcast Episode
Jede Entscheidung im Alltag hat Konsequenzen – auch auf zellulärer Ebene.
Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stress oder Alkohol: All das beeinflusst Prozesse wie Zellwachstum und Regeneration. Genau deshalb entsteht Gesundheit nicht durch eine einzelne Handlung, sondern durch die Summe unserer täglichen Entscheidungen.
Und genauso kann sich auch negatives Zellwachstum über Jahre hinweg sowohl positiv als auch negativ entwickeln – je nachdem, wie wir unseren Alltag gestalten.
👉 Kommentiere „Folge“ und wir schicken dir den Link zur gesamten Podcast Episode
Mike stellt die entscheidende Frage: Können Peptide in Zukunft auch beim Thema Krebs eine wichtige Rolle spielen?
Moritz sieht hier definitiv Potenzial – vor allem, weil Peptide in viele biologische Prozesse eingreifen können. Gleichzeitig macht er aber auch klar: Die Forschung steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen.
HPV-Impfung: Die häufigsten Kritikpunkte — einmal richtig beantwortet.
1. Ja, es gibt Nebenwirkungen.
2. Nein, der Impfstoff deckt nicht alle 200 HPV-Typen ab. Aber 90 % der krebserregenden? Schon.
3. Japan hat die Impfung neun Jahre ausgesetzt — und es als Fehler eingestanden.
4. Australien ist auf dem Weg, Gebärmutterhalskrebs fast zu eliminieren.
Die Daten sind eindeutig. Der Impfstoff ist sicher und hat in über 20 Jahren seinen Nutzen mehr als bewiesen.
Und das betrifft nicht nur Frauen. HPV verursacht auch Mund-, Rachen-, Anal- und Peniskrebs. Männer und Frauen sollten sich damit auseinandersetzen.
HPV-bedingter Krebs ist einer der wenigen Krebsarten, die wir verhindern können. Nicht irgendwann. Jetzt. Mit einer Impfung.
Wer das ignoriert, ignoriert eine Chance, die es in der Onkologie fast nie gibt.
Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Quellen:
Hall et al., 2019 - /10.1016/ S2468-2667(18)30183-X
WHO Fact sheet - https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/human-papilloma-virus-and-cancer
Phillips et al., 2020 - /10.1016/j.vaccine.2020.06.039
Lei et al., 2020 - /10.1056/NEJMoa1917338
Normile, 2022 - /10.1126/science.abq2801
Diakite et al., 2026 - /10.1186/s12889-025-25684-8
Gesundheit beginnt nicht erst im Krankenhaus.
@dr.moritzprzy spricht bei uns in Folge 23, über einen der größten weltweiten Trends: Prävention.
Also die Frage, wie wir Gesundheit erhalten können, solange sie noch da ist — statt erst zu handeln, wenn es zu spät ist.
Ein Thema, das unser Gesundheitssystem in den nächsten Jahren massiv verändern wird.
Denn die Zukunft liegt nicht nur darin, Krankheiten zu behandeln. Sondern Menschen gesund zu halten.
Was denkt ihr: Leben wir in Zukunft gesünder — oder nur bewusster? 👀
#podcast #prävention #gesundheit #healthcare #Longevity
Vor 20 Jahren war Krebsforschung in vielen Bereichen noch Beobachtung. Heute lesen wir Tumore wie einen genetischen Fingerabdruck.
DNA-Sequenzierung hat die Krebsmedizin fundamental verändert.
2007 kostete ein menschliches Genom rund 1 Million Dollar. Heute sind wir im Forschungssetting bei unter 100 Dollar.
Und genau dieser technologische Fortschritt hat ermöglicht:
• personalisierte Krebstherapien
• gezielte KRAS-Inhibitoren
• Mutationssignaturen
• mRNA-Krebsimpfstoffe
• und ein molekulares Verständnis davon, wie Krebs wirklich entsteht
Krebs ist keine einzelne Erkrankung. Jeder Tumor trägt seine eigene evolutionäre Geschichte in der DNA. Und genau diese Geschichte können wir heute lesen.
Trotzdem stehen wir erst am Anfang: Die meisten Daten stammen aus westlichen Populationen. Viele Regionen der Welt sind massiv unterrepräsentiert. Zugang zu Sequenzierung ist noch immer ungleich verteilt.
Aber die Richtung stimmt. Die Krebsforschung der Zukunft wird präziser, personalisierter — und genomisch.
Und genau deshalb basiert heute praktisch meine gesamte Forschung auf DNA-Sequenzierung.
Quellen:
https://www.genome.gov/about-genomics/fact-sheets/Sequencing-Human-Genome-cost
Greenman et al., 2007 - /10.1038/nature05610
Ley et al., 2008 - /10.1038/nature07485
Moody et al., 2021 - /10.1038/s41588-021-00928-6
Senkin et al. 2024 - /10.1038/s41586-024-07368-2
Torrens et al., 2024 - /10.1038/s41588-025-02134-0
Diaz-Gay et al., 2025a - /10.1038/s41586-025-09025-8
Diaz-Gay et al., 2025b - /10.1038/s41588-021-00928-6
Perdomo et al., 2024 - 10.1016/j.xgen.2024.100500
Huang et al., 2021 - /10.1038/s41392-021-00780-4
Cox & Der, 2025 - /10.1101/gad.352081.124