„Mercutios Romeo“ von M.T.H. Buchner und S. Kirnach ist eine autofiktionale Coming-of-Age-Geschichte über Niklas, der während seines Unteroffizierlehrgangs auf Finn trifft. Und Finn ist nicht einfach nur irgendein Kamerad. Finn bringt Niklas völlig aus dem Konzept und beide stehen plötzlich genau dort, wo es gefährlich wird: mitten zwischen Sehnsucht, Begehren, Angst und der Frage, wie offen man in einer Welt sein darf, die nach außen oft härter wirkt.
Bundeswehr, Stube, Lehrgang, Dienstgrade, Rituale, Sprüche, Abkürzungen, das Setting ist für diese Art Roman schon fast einmalig. Man spürt diese Welt einfach. Manchmal zu sehr. Denn ja, der Bundeswehr-Slang kann hin und wieder erschlagen. Wer damit gar nichts anfangen kann, wird an manchen Stellen vermutlich kurz aussteigen oder zum Glossar greifen müssen. Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch eine Authentizität, die einfach gewollt ist.
Niklas mochte ich als Figur sehr. Er ist unsicher, verletzt und manchmal überfordert. Sein Trauma, seine Angst und seine vorsichtige Hoffnung machen ihn greifbar. Finn dagegen ist charmant, körperlich präsent, witzig, aber auch ein ziemlicher emotionaler Trampel. Genau daraus entsteht die Spannung zwischen den beiden. Das ist eine schöne Romance, über junge Männer, die Nähe wollen, aber mit Ehrlichkeit und Verletzlichkeit noch ziemlich kämpfen.
Handwerklich ist das Buch nicht ganz perfekt. Der Stil ist rau, direkt, oft derb und manchmal etwas zu vollgestopft mit Sprüchen, Sex, Slang und inneren Kommentaren. Einige emotionale Szenen hätte man durchaus noch etwas vertiefen können. Gleichzeitig hat der Text aber auch etwas, das vielen Büchern fehlt: eine eigene Stimme.
„Mercutios Romeo“ ist manchmal chaotisch, manchmal sperrig, manchmal überraschend berührend. Wer eine klassische Romance sucht, der könnte hier vielleicht nicht ganz abgeholt werden. Wer aber Lust auf ein ungewöhnliches Setting, rohe Gefühle und zwei Figuren hat, die erst lernen müssen, was sie einander bedeuten, findet hier ein Buch mit Ecken, Kanten und einem großen Herz.
Vielen Dank an
@mthbucher für das Rezensionsexemplar.
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