Natürlich bin ich besonders lange am Stand der bayerischen Landeskirche hängengeblieben, hier mit Michael Wolf, der „Mister Innovations-Projekte“ der ELKB und Stine Hassing von dem mobile Kirche-Projekt „Kirche am Hubland“ in Würzburg, das ich bei seiner Entstehung begleitet hatte. Schön zu hören, wie es vorangeht! Das Lastenrad, vor dem wir stehen, ist eine mobile Bar, die an unterschiedlichen Orten der Gemeinde zum Zusammenstehen einlädt…
Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen war in Würzburg vertreten, hier mit ihrer Geschäftsführerin Dr. Verena Hammes. Ich bin sehr dankbar für ihre Arbeit in Deutschland, die komplett Hand in Hand geht mit unserer Arbeit Arbeit im Weltkirchenrat.
Viele Begegnungen mit Menschen, die ich kannte und Menschen, die ich spontan neu kennenlernte, gab es gestern auf der Kirchenmeile des Katholikentags in Würzburg. Es war – wie ich es auch von den evangelischen Kirchentagen kenne – eine fröhliche und gelöste Stimmung und viel Liebe in der Luft. Immer wieder beeindrucken mich all die vielen Stände, an denen Menschen stehen, die sich aus ihrem christlichen Glauben heraus für das Gemeinwohl engagieren. Was wäre unsere Gesellschaft ärmer ohne sie!
Bei meiner Veranstaltung gestern im Zelt von „Wir sind Kirche“ des Katholikentags in Würzburg ging es um die Frage, wie wir die nach wie vor hochaktuellen Anliegen des früheren „Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“ wieder neu und nachdrücklich in die öffentlichen Debatten einbringen können. Angesichts der neuerlichen Aussagen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beim Katholikentag am Vorabend, war es notwendig, etwas klarzustellen. Sie meinte, den Kirchen sagen zu müssen, dass die Kirche nicht wie ein Parteitag agieren dürfe, dass die Menschen von der Kirche vor allem spirituelle Impulse erwarteten, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit, dass die Kirche nicht dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen dürfe. Wer würde dem widersprechen? Aber wo tut sie denn das alles? Es entsteht der deutliche Eindruck, dass diese Vorwürfe an diejenigen gerichtet sind, sie sich aus den Kirchen heraus für Themen wie Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Ich hoffe, dass sie das auch weiterhin, ja sogar – auf tiefer spiritueller Basis - noch stärker tun. Wer Einmischung in die Politik nur dann wertschätzt, wenn sie die eigenen politischen Ziele stärkt, der hat etwas Grundlegendes am Christentum missverstanden. Ich habe es immer als Stärke unserer politischen Kultur in Deutschland empfunden, dass man – jenseits von Parteilinien - die Wortmeldungen der Kirchen in politischen Debatten ausdrücklich begrüßt hat, auch dann, wenn sie Anlass für die eigene kritische Selbstreflexion gaben. Ich hoffe, das bleibt auch so. Es muss aufhören, dass immer wieder mit einer parteipolitischen Brille in öffentliche Stellungnahmen der Kirchen geschaut wird, die nichts anderes versuchen als biblisch gegründete christliche Grundorientierungen in die politischen Debatten einzubringen.
In meiner Predigt habe ich zu sagen versucht, warum das Fest Christi Himmelfahrt so wichtig ist. Es geht hier nicht um irgendeinen Fahrstuhl nach oben, sondern es geht um die Kraft Jesu, die er seinen Jüngern damals und uns heute bei seinem Abschied hinterlässt. Es ist ein Abschied, der zugleich zum Aufbruch wird. Jesus geht nach den Worten des Lukasevangeliums mit einem Segen. Und wir sind hineingenommen in diesen Segen. Es ist, wie wenn wir uns von einem geliebten Menschen verabschiedet haben. Beim Abschied am Bahnhof hat einfach alles gepasst. Die Innigkeit der Liebe war spürbar. Dann selig im Zug zu sitzen und zu wissen, dass die Liebe bleibt, das ist ein wunderbares Gefühl. Dieses Gefühl, so habe ich am Ede gesagt, das dürfen wir aus dem heutigen Tag, in unser ganzes Leben mitnehmen, in unsere ganze Existenz, in unsere Zeit und in unsere Ewigkeit….
Das sind Pfarrerin Friederike Pohle und Pfarrer Michael Vogt, mit denen ich heute den wahrscheinlich feuchtesten Himmelfahrtsgottesdienst meines Lebens gefeiert habe. Und doch habe ich sie mächtig gespürt, die Kraft, die von den am Ende des Luksevangeliums berichteten Worten Jesu vor seiner Himmelfahrt ausgeht. Da war heute eine besondere Gemeinschaft mit den Menschen, die sich trotz strömendem Regen zur Steinmühle am Grünower See aufgemacht hatten. Die wunderbare Natur um uns herum, kraftvoll gesungene Lieder, berührende Gebete, ja, und sogar auch der Regen, den die Natur hier gerade so dringend braucht, hat uns in besonderer Weise zusammengeschweißt. Und nach dem Gottesdienst gab es viele herzliche und berührende Gespräche. Es beeindruckt mich sehr, was die Gemeinden hier trotz der Minderheitensituation und der großen Gemeindegebiete alles auf die Beine stellen.
Und am Samstag um 14 Uhr werde ich bei Katholikentag in Würzburg sein und bei den „Gesprächen am Jakobsbrunnen“ im Zelt der Reforminitiative „Wir sind Kirche“ (FB-J-21) am Mainufer südlich der Friedensbrücke mit Dr. Norbert Fabian vom pax christi Bundesvorstand zum Thema „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung 2.0“ im Gespräch sein.
Diese Gottesdiensterfahrung muss ich einfach teilen. Ich gehe immer, wenn ich zu Hause bin, zum Gottesdienst in meiner Gemeinde hier in der mecklenburgischen Seenplatte und freue mich jedesmal darauf. Wegen der großen Seelsorgebezirke lerne ich auch immer wieder andere Kirchen kennen. Heute war ich in der kleinen, aber vollen Dorfkirche von Drosedow, wo die Konfirmanden/innen ihren Vorstellungsgottesdienst hatten. Das war ganz wunderbar. Es hat mich sehr berührt und beeindruckt, wie sie alle der Reihe nach auf die Kanzel gegangen sind und ihren Tauf-bzw. Konfirmationsspruch genannt und kurz erläutert haben, was ihnen daran wichtig ist und warum sie sich konfirmieren lassen. Den ganzen Gottesdienst haben sie aktiv mitgestaltet. Pfarrerin Ulrike Kloss hat das in ihrer Predigt aufgenommen und von den Konfirmandentagen erzählt. Man spürte die gewachsene Gemeinschaft. Ich habe hinterher noch lange mit einer Konfirmandin gesprochen, die aus einem religionsfernen Elternhaus kommt und sich jetzt ganz bewusst für diesen Weg entschieden hat. Für mich ging von alledem sehr viel Kraft aus. Und ich habe mir einmal mehr gedacht: Es sind nicht zuerst die Mitgliedschaftszahlen, die eine Kirche stark machen, sondern die Glaubenskraft und Authentizität, die sie ausstrahlt. Wir müssen als Kirche keine Angst vor der Zukunft haben. Was ich heute in diesem mecklenburgischen Dorfgottesdienst erfahren habe, gibt mir viel Zuversicht….