Die für Aquarelle ungewöhnlich grossen Blätter aus Büttenpapier liegen beim Arbeiten oft am Boden des Ateliers von Thomas Hauri. Er benutzt grosse Mengen Wasser, das über das Papier fliesst, Farbe verteilt oder und bereits gemalte Formen löst, sich sammelt, verdunstet. Ein entscheidender Faktor ist dabei für den Künstler, dass sich in Aquarell gemalte Bilder wieder aktivieren lassen, manchmal Monate oder Jahre nach der letzten Bearbeitung. Hauri macht gemalte, getrocknete Flächen mit Wasser wieder bearbeitbar und geht dabei mit Pinseln, Schwämmen und Bürsten ans Werk. Er stellt Schichten her und trägt sie wieder ab. Der Körpereinsatz ist beim Betrachten spürbar, obwohl er nicht als expressiver Ausbruch, sondern langsam passiert. Er zeigt sich zudem an den Fussabdrücken, die auf einigen Bildern sichtbar sind. Bei seinen experimentellen Malprozessen legt Thomas Hauri oft Gegenstände und eigens geschaffene Formen unter und auf das Papier, um das Wasser zu steuern und den Abrieb zu beeinflussen. Wichtig ist die Spannung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Hauri sagt: «Ich suche etwas, was ich noch nicht kenne». Dabei entstehen über lange Zeiträume Bilder, die ungegenständlich sind und doch Körperhaftes, Organisches sowie Räumliches andeuten. «Sie sind auf der Kippe», sagt der Künstler. Eine besondere Bedeutung kommt auch der Hängung zu. In drei aufeinanderfolgenden Räumen hat Hauri zwölf Arbeiten angeordnet, die zum Grossteil erstmals gezeigt werden. Aus einzelnen Arbeiten wird eine Installation, in die eingetaucht werden kann. Verstärkt wird der Eindruck durch das Verschliessen eines Durchgangs, wodurch die Installation in sich geschlossen ist und die Räume zweimal durchquert werden müssen. Die Hängung geht präzise auf die Eigenheiten der Ausstellungsräume im umgenutzen Gemeindehaus ein und referiert mit den Abstufungen auf Langenthals alte Hochwasser-Infrastruktur mit seinen Treppen und hohen Trottoirs.
Bild 1: Ohne Titel, 2025 (2023-2025).
Bild 2: Ohne Titel, 2025; Ohne Titel, 2025 (2018-2025).
Bild 3: beide Ohne Titel, 2025 (2024-2025).
Bild 4: Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal
Fotos: Cedric Mussano, Courtesy: Thomas Hauri.
@kunsthauslangenthal
Tracks and Traces
on view until 10.05.2026
curated by Marius Quiblier @marius.qui and Raffael Dörig
Photos: Cedric Mussano
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Tracks and Traces @kunsthauslangenthal
on view till 10.05.2026
Tour and Bar
Wednesday, 01.04.2026, 7 p.m
curated by Raffael Dörig and Marius Quiblier @marius.qui
Photos: Cedric Mussano
Save the date!
Tracks and Traces.
Mit Thomas Hauri, Izidora I LETHE, Christelle Kahla und Anastasia Pavlou.
12.02.-10.05.2026
Eröffnung: Mittwoch, 11.02.2026, 18 Uhr
Die Ausstellung versammelt aktuelle Arbeiten der ungegenständlichen Malerei von vier Kunstschaffenden aus der Deutschschweiz und der Romandie. Bei allen vier spielen malerische Prozesse eine Rolle, in denen die Dimensionen und Bewegungen des Körpers eine besondere Rolle spielen. Dies äussert sich in den Arbeiten auf ganz unterschiedliche Weise. Thomas Hauri etwa bearbeitet seine grossformatigen Aquarelle wieder und wieder, so dass sich die Spuren des Wässerns und Trocknens, des Schichtens und Abreibens geradezu körperlich erfahren lassen. Izidora | LETHE verbindet malerische und performative Prozesse und arbeitet dabei ortsspezifisch und kollaborativ. LETHEs Arbeiten entstehen beispielsweise unter Einsatz von Pigment aus den Bewegungen von Mitwirkenden im Raum. Christelle Kahla verwendet symbolgeladene Objekte wie Kleidung oder Schmuck als Schablonen für gesprühte Bilder. Sie verweist auf das Körperliche und vermeidet gleichzeitig eine malerische Geste. Anastasia Pavlous Gemälde stehen mit ihrem betont kräftigen Farbauftrag in der Tradition expressiver Malereiströmungen, wobei die Möglichkeit der Abweichung, etwa hin zum Konzeptuellen oder Figurativen, eine Grundbedingung ist.
Kuratiert von Raffael Dörig und Marius Quiblier.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch! 🫶🫶🫶
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Bild 2: Thomas Hauri, Ohne Titel, 2025 (2023-2025)
Bild 3: Izidora I LETHE, 2025 Löwenbräu, Courtesy: Edition VFO, Foto: Bernhard Strauss.
Bild 4: Christelle Kahla, You‘re the Chain, You‘re the Rope, 2024.
Bild 5: Anastasia Pavlou, Ohne Titel, 2025. Foto: Michael Ray-Von.